10 Performance-Tipps für Eclipse

Kaum eine andere IDE¹ ist so mächtig und flexibel wie Eclipse. Leider tendiert aber auch keine andere dazu, dermaßen behäbig zu Starten und während der Arbeit immer wieder längere Denkpausen einzulegen. Kein Wunder also, dass es unzählige Tuning-Vorschläge gibt. Allerdings sind viele davon nutzlos oder sogar schädlich. Wir haben daher 10 Performance-Tipps für Eclipse ausgesucht, die wirklich funktionieren.

 

Software aktuell halten

Aktuellste Eclipse-Version verwenden

Der Sprung von den 3er- zu den 4er-Versionen hat zu recht herbe Kritik hervorgerufen, denn die ersten neuen Versionen waren fast unbedienbar langsam. Spätestens mit 4.3 hat der neue Zweig aber nicht nur mit den 3er-Versionen gleich gezogen, sondern ist sogar ein gutes Stück schneller. Wer also noch ältere Versionen verwendet, sollte dringend über ein Update nachdenken.

 

Aktuelleste Java-Version verwenden

Dieser Tipp sollte eigentlich nicht überraschen. Nicht nur Eclipse wird mit jeder Version tendenziell ein bisschen schneller, das gleiche gilt auch für Java. Eclipse sollte daher immer mit der neuesten Java-Version gestartet werden. Keine Angst, die Projekte innerhalb von Eclipse können trotzdem noch ältere Java-Versionen wie 1.6 oder 1.4 (mein Beileid) verwenden.

 

 Oracle-JVM verwenden

Linux-Benutzer sollten sicher stellen, dass sie die Oracle-JVM und nicht das Open-JDK verwenden. Das betrifft unter anderem Ubuntu sowie die meisten anderen größeren Distributionen. Inkompatibilitäten mit Open-JDK sind inzwischen zum Glück selten, aber Eclipse tendiert dazu mit anderen JVMs als der von Oracle langsamer zu laufen.

 

eclipse.ini Tuning

Nirgends gibt es so viele Stellschrauben wie in der eclipse.ini-Datei. Wirklich lohnenswert ist aber nur das Drehen an drei davon. Dazu öffnen Sie einfach die Datei eclipse.ini die direkt in Ihrem Eclipse-Ordner liegt mit einem beliebigen Text-Editor.

Java-Pfad vorgeben

Direkt am Anfang sollten Sie folgende Zeilen (mit Zeilenumbruch!), natürlich mit einem evtl. angepassten Pfad, einfügen:

Diese Änderung sorgt dafür, dass Eclipse mit der im Pfad angegebenen Java-Version gestartet wird. Außerdem bringt sie auch noch weitere Vorteile, so taucht Eclipse jetzt als eigener eclipse.exe-Prozess statt als generisches java.exe auf und integriert sich dadurch wesentlich besser in OS-Komponenten wie Firewall und Window-Management. Windows 7 und 8 Benutzer können danach Eclipse auch endlich an die Taskleiste pinnen. Einen minimal schnelleren Start gibt es noch obendrauf.

 

Class-Validation deaktivieren

Ein dermaßen umfangreiches Projekt wie Eclipse muss während des Startvorgangs und auch später unzählige Class-Dateien laden. Mit dem Parameter -Xverify:none, den Sie ganz unten in der eclipse.ini einfügen, wird die ansonsten aktive Überprüfung der Class-Dateien auf Fehler deaktiviert. Im Fall von Eclipse verkürzt dies den Startvorgang massiv und ist vermutlich der wichtigste Performance-Tipp. Allerdings sorgt die Änderung auch dafür, dass unerwartete und unklare Fehler auftreten können falls tatsächlich einmal eine Class-Datei beschädigt sein sollte. Die Wahrscheinlichkeit ist aber dermaßen gering, dass das Risiko ignoriert werden kann.

 

Speicherlimit erhöhen

Java-Programme sind immer ein bisschen speicherhungriger als ihre nativen Kollegen. Eclipse schlägt aber gleich richtig zu. Um den Speicherhunger stillen zu können, sollte daher das Speicherlimit für Eclipse erhöht werden. Der momentane Standard-Wert von 512 MB ist für die allermeisten Fälle viel zu niedrig angesetzt. Einen magischen, richtigen Wert gibt es aber auch nicht. Erfahrungsgemäß sind 2-3 GB eine gute Wahl. Fügen Sie dazu am Ende der eclipse.ini folgende Zeile ein:

Gleichzeitig können Sie auch die Initial-Größe des Speichers erhöhen. 1024 MB sollten in den meisten Fällen ein guter Ausgangspunkt sein.

Höhere Maximal-Werte als 4 GB sollten nicht verwendet werden, da sonst Probleme mit dem Garbage-Collector zu erwarten sind. Tatsächlich bringen mehr als 3 GB fast nie Performance-Vorteile. Sollte Eclipse auch mit 4 GB ständig am Speichermaximum nagen, deutet dies auf Probleme mit der Konfiguration hin. Schuld ist meistens ein schlecht programmiertes 3rd-Party-Plugin, das gesucht und falls möglich deaktiviert werden sollte.

Die resultierende eclipse.ini sollte in etwa wie folgt aussehen:

 

System optimieren

Bessere Hardware

Zugegeben, dieser Tipp ist ein klein wenig gemogelt, aber Eclipse freut sich über jedes bisschen bessere Hardware: Schnellere CPU, mehr RAM oder eine SSD. Besonders die letzten beiden lassen sich zum Glück in vielen Fällen einfach nachrüsten.

 

Antivirus-Ausnahmen

MacOS- und Linux-Benutzer dürfen diesen Absatz überspringen. Alle anderen öffnen die Einstellungen ihres Antiviren-Programms, fügen dort den Eclipse-Ordner und ihre Workspaces zur Ausnahmeliste des Hintergrund-Scans hinzu und freuen sich darüber diese Performance-Bremse ein gutes Stück gelockert zu haben.

 

Eclipse anpassen

In Eclipse selbst gibt es nur wenig Optimierungs-Möglichkeiten die über offensichtliches wie das Vermeiden großer Plugin-Sammlungen oder das gleichzeitige Öffnen dutzender Projekte hinausgehen.

Komponenten deaktivieren

Unter „Window > Preferences > General > Startup and Shutdown“ findet sich eine Liste mit Komponenten die währen des Starts von Eclipse geladen werden. Deaktivieren Sie hier Komponenten die Sie nicht benötigen um den Startvorgang und den Speicherbedarf etwas zu verbessern. Zusätzlich können in den Preferences unter „Validation“ von Plugins beigesteuerte Validierungs-Schritte deaktiviert werden, Unnötiges findet sich hier aber nur selten. Generell sollten Sie vom Aufräumen in beiden Listen keine all zu großen Verbesserungen erwarten.

 

Finger weg von „Exit“

Eclipse ist vor allem in den ersten Minuten nach dem Start besonders träge. Auch wenn Funktionen zum ersten mal verwendet werden, braucht dies länger als sonst. Das liegt daran, dass Eclipse viele Dinge erst zur Laufzeit lädt. Konsequenterweise sollten Sie Eclipse daher nur möglichst selten beenden. Falls genügend Speicher zur Verfügung steht und kein Memory-Leak in einem Plugin einen Strich durch die Rechnung macht, sollte Eclipse problemlos eine Arbeitswoche lang durchhalten. Zum Feierabend wird der Rechner dann einfach in einen möglichst tiefen Standby geschickt statt in ganz auszuschalten.

 

1) Natürlich ist Eclipse eigentlich eine Anwendungsplattform die es eben auch als IDE gibt

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2 Kommentare zu “10 Performance-Tipps für Eclipse
  1. Sam sagt:

    Hi!

    Mein Eclipse 4.3 startet nicht mehr.
    Da ich eine andere Anwendung habe, die mit dem neuen Java Update 65 nicht mehr läuft, habe ich Java entfernt und mir eine älter Version (Update 51) zugelegt.
    Meine alte Anwendung funktioniert nun wieder problemlos, eclipse verweigert allerdings nach der Auswahl meines Workspaces den Dienst und schließt sich ohne Meldung.
    Könnt ihr mir helfen?

    • Oliver Baumann sagt:

      Guten Tag Sam,

      Hast du schon probiert ein neues Workspace (einen beliebigen leeren Ordner) zu wählen? Sollte Eclipse dann nicht abstürzen, könntest du in den Eclipse-Einstellungen als Javaversion die Installation des Update 51 auswählen und nochmal schauen, ob du dann wieder auf dein eigentliches Workspace zurück kannst.
      Eine andere Möglichkeit entspreche der sog. „Holzhammermethode“. Lade nochmals Eclipse runter. Dafür must du nicht mal das alte Eclipse löschen. Einfach das neue starten und das alte Workspace auswählen (das Workspace ist an keine bestimmte Instanz von Eclipse gebunden). Das neue Eclipse sollte automatisch die korrekte Javaversion erkennen und starten.

      Hinter deinem Problem vermute ich, dass Eclipse von den Konfigurationen her Java nicht mehr finden kann. Ich hoffe, dass ich dir weiterhelfen kann. Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass eine „blinde Fernwartung“ nicht zu meinen Stärken gehört.

      Falls das Problem weiterhin bestehen sollte: Könntest du genauere Details (sofern möglich) angeben?

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